Gartenimpressionen

Ihr habt lange nichts von mir gehört. Das liegt hauptsächlich daran, dass eine kleine Pflanze gerade all meine verfügbare Kapazität in Anspruch nimmt. Zartrosa Trichterblüten, sanft gerundete Blättter und ein filigraner Wuchs: Das klingt doch erstmal ganz harmlos, oder? Das dachte ich auch, und genau das wurde mir zum Verhängnis. Denn die Wurzeln dieses anmutig wirkenden Pflänzchens sind alles andere als harmlos. Schnell kapern sie ganze Beete, wachsen durch Stauden hindurch, winden sich an ihnen hoch und nehmen ihnen die Lebensgrundlage: Genau, ich spreche von der Ackerwinde.

Letztes Jahr dachte ich noch ganz naiv: “Klar, die Ackerwinde wird allgemein als Unkraut bezeichnet. Aber die Definition ist ja bekanntlich relativ. Die Blüten sind doch ganz nett und es stört mich nicht, wenn sie den Zaun begrünt”. Dieses Jahr haben wir dann ein neues Gemüsebeet angelegt, und merkten dabei, dass die Winde die komplette Erde durchwurzelt hat und durch normales Hacken überhaupt nicht in den Griff zu bekommen ist. Denn sie hat Wurzeln, die bis zu zwei Meter in die Tiefe reichen können, und bereits aus einem 1 cm langen Wurzelstück kann sich eine neue Pflanze entwickeln.

Die Rosen stecken die ganze Kraft in die Blüte.

Inzwischen hat sich die Ackerwinde nicht nur im Gemüsebeet, sondern auch im Rasen und in der Blumenwiese explosionsartig ausgebreitet. Im Prinzip würde sie mich da ja nicht stören. Da ich aber fürchte, dass sie von dort aus noch weitere Beete kapert, will ich die Verbreitung zumindest ein bisschen eindämmen.

Glockenblumen und wilder Fenchel sind eine schöne Ergänzung fürs Beet. Übrigens gibt es einige Wildbienen, die sich ausschließlich von Glockenblumen ernähren.

Folgende Methoden haben wir angewendet:

  • Ausstechen
  • regelmäßiges Hacken
  • Abreissen
  • Mähen
  • Abdecken mit Pappe
  • Abdecken mit Jutesäcken
Die großen Glockenblumen werden auch gern mal als Übernachtungsmöglichkeit genutzt, wenn es für den Heimflug zu spät ist.

Das desillusionierende Ergebnis von allen Methoden war: Die Ackerwinde verbreitet sich weiter.

Auch die Jungern im Grünen sind bei Bienen und Co heiß begehrt.

Um sie dauerhaft zu schwächen, haben wir dann noch einen weiteren Feldversuch durchgeführt: Mähen bei 36 Grad im Schatten mit anschließendem Wässern. Eine Methode, die normalerweise jede Pflanze zuverlässig um die Ecke bringt. Doch nicht die Ackerwinde. Sie freute sich über die zusätzliche Wassergabe und blühte um so reicher. Vernichtend war der Versuch eher für uns selbst, denn nach der Aktion bei der Hitze waren wir fix und fertig.

Ein besonderes Highlight: Ungefüllt blühende Stockrosen. Besonders von Hummeln, aber auch von Bienen werden sie gern angeflogen.

Mittlerweile habe ich aufgegeben, gegen die Winde anzukämpfen. Ich versuche noch, die Blüten im Rasen und in der Wiese grob auszureissen, damit sie sich nicht zu sehr verbreitet. Aber schon das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, weil die befallenen Flächen zu groß sind. Ich rupfe so viel, wie machbar ist, und der Rest wuchert dann eben weiter.

Trotz Malvenrost blühen die Stockrosen in verschiedenen Farbtönen.

Das Gemüse muss sich irgendwie selbst gegen die Winde behaupten. Im nächsten Jahr werde ich mir für den Gemüseanbau dann vermutlich ein paar Hochbeete besorgen, die ich mit Unkrautflies auslege. So habe ich wenigstens da Ruhe. Nach ein paar Jahren wird die Winde darunter wohl auch eingegangen sein, sodass ich wieder in der Erde gärtnern kann.

Es ist schade, dass ich gerade nur noch Schadensbegrenzung im Garten betreibe. Aussäen, pflanzen, gießen, schneiden, Tomaten hochbinden – dazu komme ich gar nicht mehr. Und das ist das, was mir eigentlich Freude macht. Aber trotzdem genieße ich die schönen Ecken unseres Gartens. So viel wächst, blüht und gedeiht! Bienen und Schmetterlinge haben viel Auswahl und nutzen sie auch gern.

Auch eine schöne Kombination: Wilde Kamille und Sonnenblume.

Habt ihr auch irgendwelche hartnäckigen (Un)kräuter im Garten? Wie geht ihr damit um? Habt ihr einen Tipp zum Thema Ackerwinde?

Ich bin gespannt.

Liebe Grüße,

Amely

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