Unsere Blumenwiese

Blumenwiese anlegen Erfahrung

Schon letztes Jahr haben wir versucht, eine Blumenwiese anzulegen. Nach der Aussaat spülte ein sintflutartiger Starkregen das meiste Saatgut auf die Straße, sodass nur auf einem schmalen Mittelstreifen ein paar mickrige Blumen gewachsen sind. Die konnten sich wegen der anhaltenden Trockenheit dann nicht gegen das explosionsartig wachsende Unkraut durchsetzen. Deswegen haben wir im Herbst alles umgraben lassen und eine Gründüngung (Phacelia und Gelbsenf) eingesät, die auch ganz gut gekommen ist.

Phacelia

Unter dem Motto “Neues Jahr, neues Glück” wagten wir also einen neuen Versuch. Anfang April wurde die Wiese umgegraben, und die Reste der Gründüngung zur Bodenlockerung miteingearbeitet. Wir haben dann Mitte April das Saatgut verteilt und mit dem Rechen leicht eingearbeitet. Die Mischung heißt “Herxheimer Sommer” und ist speziell für die lehmigen Böden unserer Gegend zusammengestellt. Genau als wir die letzten Meter ausgesät hatten, begann es zum Glück zu regnen.

blauer Lein und Kornblumen

Durch die regelmäßigen Niederschläge in den folgenden Wochen konnte das Saatgut optimal keimen. Die kleinen Pflänzchen haben sich auch erstaunlich gut gegen Quecke, Ackerfuchsschwanz, schwarzen Nachtschatten und Vogelknöterich durchgesetzt.

Klatschmohn, Kamille und Kornblumen

Ich hatte mir ausgemalt, dass die verschiedenen Blumen gleichzeitig blühen und einen bunten Farbteppich in unseren Garten zaubern. Aber die verschiedenen Arten blühten zeitversetzt, sodass jeweils eine Farbe dominierte. Nach dem Gelbsenf läuteten Phacelia und Kornblumen im Frühsommer die “Blaue Periode” ein, unterstützt vom blauen Lein. Pinke Malven und Klatschmohn waren die Hauptakteure der “Rosa Periode”. Für einen fulminanten Abschluss sorgen die Sonnenblumen, die den Garten momentan in leuchtendem Gelb strahlen lassen.

Die Blumenwiese sieht nicht nur schön aus, sondern bietet vielen Tieren Nahrung. Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Grillen und andere Insekten haben das Angebot dankbar angenommen. Allerdings verwundert mich, dass ich weniger Insekten und Schmetterlinge sehe als letztes Jahr, wo wir doch eigentlich noch kaum Nektar- und Pollenspender hatten. Entweder es verteilt sich einfach besser, oder die Tiere haben das letzte trockene Jahr einfach schlecht überstanden. Ich hoffe, es ist nur meine subjektive Wahrnehmung.

Zur Zeit freuen sich vor allem die Vögel an der Wiese, denn sie sind ganz wild auf die Sonnenblumenkerne. Distelfinken, Kohlmeisen, Gartenrotschwänzchen fallen in Scharen über die Leckerbissen her. Es ist eine richtige Freude, sie dabei zu beobachten!

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Unser Plan ist es, die Wiese über den Winter stehen zu lassen. Sie wird dann zwar welk und unansehlich, aber dafür haben die Vögel noch eine Nahrungsquelle und Insekten können in den hohlen Stängeln überwintern. Im Frühjahr mähen wir dann die Wiese ab. Das Schnittgut sollte man entfernen, damit der Boden langfristig abmagert. Bis dahin sollten sich die Blumen selbst ausgesät haben, sodass wir das Saatgut höchstens leicht einrechen müssen. Dabei möchte ich noch weitere insektenfreundliche Blumen aussäen wie zum Beispiel Wilde Karde, Blauer Natterkopf, Wilder Salbei, Cosmeen und was ich noch so habe.

Mit einer Blumenwiese kann man eine große Fläche schnell begrünen, und hat unterm Strich sehr wenig Arbeit damit. Während ein Rasen alle paar Wochen gemäht werden sollte, ist das bei einer Blumenwiese nur ein bis zwei Mal im Jahr nötig.

Die Sonnenblumen überragen die verblühten Vorgänger und sorgen für ein eindrucksvolles Farbspektakel.

Ich kann also jedem nur empfehlen, in einem Teil des Gartens eine Blumenwiese anzulegen. Zum Beispiel als kleine oder größere Inseln im Rasen, vor Hecken oder im Beet. Zur Not genügt sogar ein Balkonkasten. So kann jeder mit kleinen Mitteln zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, und das ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je! Die Tiere werden es euch danken. Und ich bin auch sicher, dass ihr eure Blumenwiese nicht mehr missen wollt, denn es macht einfach so viel Spaß, das Leben darin zu beobachten.

Ich schau dann mal, was Familie Distelfink so treibt. Es sieht nach Ehekrise aus, denn offensichtlich ist ein Streit um die leckersten Sonnenblumenkerne entbrannt. Doch Frau Distelfink weiß sich durchzusetzen, und ihr Mann muss mit einem anderen Platz vorlieb nehmen. Dort sind die Kerne aber anscheinend auch nicht schlechter, denn die beiden picken hingebungsvoll und in trauter Harmonie. Aber da kommt Familie Gartenrotschwanz mit ihrer gesamten Verwandtschaft im Schlepptau. Das sieht nach Ärger aus…

Liebe Grüße aus dem Garten,

Amely

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8 Kommentare

  1. Ein Traum! Eine eigene Blumenwiese! Was da alles kreucht und fleucht. Ich hatte nur ein paar Samen zwischen die beiden Johannisbeeren gestreut, am Rasenrand. Vor ein paar Tagen habe ich sie das erste Mal gemäht, sozusagen. Davor hatte ich immer wieder kleine, bunte Lichtblicke.
    Bin nur gespannt, welche Blumen sich bei Euch durchsetzen. Manche sind jedoch wahre Verdrängungsmeisster. Aber dafür kommen allein durch die Vögel und den Wind neue Pflanzen.
    Malven habe ich zb mitlerweile im ganzen Garten, genau wie Nachtkerzen.
    Schöner Beitrag, liebe Grüße und schönes Wochenende
    Nina

    1. Liebe Nina, ein paar Blumen unter den Johannisbeersträuchern sind doch auch schön!
      Ich bin auch gespannt, welche Blumen sich bei uns durchsetzen. Ich vermute auch, dass mit den Jahren noch mehr Unkraut kommt. Heute habe ich gesehen, dass zwischen den Blumen alles voll mit Vogelknöterich ist. Aber auf die Entfernung sieht man es nicht.
      Also, eine Blumenwiese ist wirklich eine tolle Sache. Ich wünsche dir auch viel Spaß mit deiner!
      Liebe Grüße,
      Amely

  2. Das ist grossartig, Amélie! Was für ein Tummelplatz für all die Klein(st)lebewesen, die so sehr davon abhängig sind! Aber nicht nur für sie; auch du hast mit Sicherheit deine helle Freude dran, dass über die Zeit immer wieder was anderes blüht. Und lass das alles im Herbst ruhig stehen- wir haben damit die besten Erfahrungen gemacht auf unserer Weide. Seit vielen Jahren schon lassen wir im Herbst einfach alles, was noch da ist, in sich zusammenfallen. So entstehen, wie du schreibst, Winterquartiere für Insekten, und wenn die Pflanzen dann langsam zerfallen auch gleichzeitig noch Mulch, der den Boden belebt. Und- by the way!- samen die vielen verschiedenen Pflanzen auch gleich noch ab und verbreiten sich stetig. Unsere Weide hat sich so zur schönsten Magerwiese entwickelt. Ein Beweis einmal mehr dafür dass sich die Natur selber unterhält- wenn man sie denn lässt!
    Vogelknöterich gibt es bei mir auch viel, aber den könnte man ja sogar essen (die Vögel jedenfalls haben ihn auf ihrem Spesenplan stehen!), und er soll gegen Katarrh helfen. Interessant- wenn man sich mit all den Pflanzen auseinandersetzt, dann erfährt man immer wieder erstaunliches!
    Hab einen schönen Sonntag, herzliche Grüsse!

    1. Liebe Frau Hummel,
      danke für deinen Kommentar! Es ist wirklich so, dass wir selbst die größte Freude an der Wiese haben. Heute morgen haben wir mal wieder drei Distelfinken beobachtet, die wenige Meter entfernt von uns Sonnenblumenkerne genüsslich verspeist haben. Kaum zu glauben, wieviel in so einen kleinen Distelfinkenmagen reingeht!
      Der Vogelknöterich stört mich nicht, er breitet sich nur unterhalb aus und macht den anderen Pflanzen das Leben nicht schwer. Gegessen habe ich ihn allerdings noch nicht:)
      Pferde zu haben ist natürlich praktisch, denn dann muss man die Wiese nicht mähen. Wobei ich vermute, auf die großen Sonnenblumen hätten sie keinen Appetit:)
      Dir auch einen schönen Sonntag, liebe Grüße,
      Amely

  3. Liebe Amely,
    die Blumenwiese ist unheimlich schön, und wenn eine Farbe dominiert, so hat das auch seinen Reiz, wenn auch ein buntes Durcheinander sicher auch sehr schön aussieht. Ich finde es auch toll, dass ihr die Wiese erst im Frühjahr abmäht. Wir lassen auch fast alles bis zum Frühjahr stehen.

    Ich wünsche Dir einen tollen Start in die neue Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,
      ja, danke, wir sind auch wirklich froh, dass wir dieses Jahr so viel Glück mit dem Wetter hatten und die Wiese so schön gewachsen ist.
      Es ist wirklich gut, möglichst viel Verblühtes im Winter stehen zu lassen für die Vögel und die Insekten. Wobei ich ja den Anblick von schwarzen, struppigen Blumenresten auch nicht so ansprechend finde. Aber wenn sich darauf eine Distelfink-Familie niederlässt und genüsslich die Bäuche vollschlägt, ist man mehr als entlohnt! Es ist einfach toll, die Tierwelt zu beobachten, und das könnte man in einem “ordentlichen” Garten nicht in der Form.

      Ich wünsche euch auch eine schöne Woche!
      Liebe Grüße,
      Amely

  4. Liebe Amely,
    im Ansatz sind solche Blumenmischungen, wie der Hexheimer Sommer, von Landwirten ausgedacht und in der Mischung so zusammengestellt, damit sie gleichzeitig den Humusgehalt der Felder erhöhen können. Hier in der Gegend wird meist die Veitshöchheimer Bienenweide verwendet. Sie sollen in erster Linie für Ackerrandstreifen ausgesät werden, um wenigstens dort Insekten Nahrung zu geben, wo daneben alles aufgrund von Bioziden weggespritzt wird. Es sind wohl 5 % der Gesamtfläche, die Bauern als ökologische Vorrangfläche beibehalten müssen und auf denen sie nichts anbauen dürfen. Viele Samen in der Mischung sind Nahrung für Vögel, wenn die Stengel im Herbst stehen gelassen werden, wie bei den Sonnenblumen. Es reichert sich allerdings auch Humus an, wie bei den Gründüngern Phazelia oder Buchweizen. Du hast mit extra Anreicherung von Phazelia und Gelbsenf eigentlich den Humusgehalt erhöht und das lieben so einige unangenehme Unkräuter besonders. Für eine Blumenwiese nicht so die idealen Startbedingungen. Du möchtest sie ja eigentlich mager. Dann blüht es auch viel hübscher mit Skabiosen, Flockenblumen, Wilden Malven, Labkräutern, Johanniskraut, Wilden Karden uvm. Bei fettem Lehmboden müsste man am Anfang den Humus abtragen und Sand oder Kies beimischen.
    Leider ist das in meiner Gemeinde bei den Ausgleichsflächen hier auch dieses Jahr schief gegangen und ich hoffe auf ein Neues…;-)
    Ein Tipp…. schaue dich doch mal bei Rieger-Hoffmann auf der Webseite um. Dort findest du, was man für eine Blumenwiese braucht, auch regionaltypisch. Am besten jetzt, da die Firma im Frühjahr recht überlastet ist und Lieferschwierigkeiten hat. Dann wirst du dich wahrscheinlich noch mehr an deiner Wiese erfreuen und es klappt auch langfristig.
    LG Sigrun

    1. Liebe Sigrun, damit hast du auf jeden Fall recht. Allerdings ist bei uns die Schwierigkeit, dass der Boden extrem verdichtet ist und so ziemlich gar keinen Humus hat. Den Lehmboden abtragen und mit Sand oder Kies aufzufüllen kommt bei uns nicht in Frage, da die Fläche einfach zu groß ist. Das wäre ein extremer Aufwand, auch finanziell. Von daher war es wichtig, für den Anfang etwas zu säen, was sicher kommt. Und da haben viele mit dieser Blumenmischung gute Erfahrungen gemacht.
      Meine Hoffnung war eigentlich, dass wir durch das Mähen und Abtragen des Schnittguts im Frühjahr den Boden langfristig abmagern können. Meinst du nicht, dass das klappt?
      So habe ich die Idee, dass sich über mehrere Jahre hinweg langsam eine vielfältige Blumenwiese ausbildet, die man immer mal wieder durch andere Sorten ergänzen kann. Die Wilde Karde habe ich schon als Saatgut vorrätig, und Skabiosen usw. kann ich ja auch dazusäen.
      Eine richtige Magerwiese wird hier in dieser Region wohl nie entstehen, dafür ist der Boden einfach zu lehmig.
      Die Website werde ich auf jeden Fall trotzdem mal anschauen, vielleicht haben sie ja auch Mischungen für fettere Böden.

      Liebe Grüße und danke für deinen Tipp,
      Amely

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