Online-Shopping oder Schaufensterbummel?

Analog Shoppen auf dem Basar in Istanbul

Welche der beiden Szenen spricht dich mehr an?

Du sitzt sonntags gemütlich mit einer Tasse Tee auf dem Sofa, klickst dich durch verschiedene Online-Shops und bestellst schließlich ein paar Kleider, Stoffe oder anderes. Du freust dich auf die Paketlieferungen, die in den nächsten Tagen eintreffen werden.

Oder:

Gemütlich schlenderst du durch die Fußgängerzone und lässt dich ohne festes Ziel treiben. Wenn dich in den Schaufensterauslagen etwas anspricht, gehst du in den Laden, probierst verschiedene Sachen an und entscheidest dich dann für ein paar schöne Stücke.

Welche der beiden Einkaufsmöglichkeiten nutzt du häufiger?

Heute möchte ich mir Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen das Online-Shopping auf die Umwelt, die Wirtschaft und die Innenstädte hat.

Wer seinen Einkauf online tätigt, genießt jede Menge persönlicher Vorteile: Der Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern ermöglicht es, den günstigsten Preis zu finden und auch die Unabhängigkeit von Öffnungszeiten ist in vielen Situationen praktisch. Auch die Auswahl ist online am größten. Nachteilig hingegen ist jedoch, dass man die Produkte nur über Fotos und Beschreibungen wahrnimmt und nicht anprobieren oder fühlen kann. Gerade beim Stoffkauf habe ich auf die Weise schon den ein oder anderen Fehlkauf getätigt, da sich zum Beispiel die Farbe Apricot als gemeines Schweinchenrosa herausgestellt hat und somit für ein Shirt nicht in Frage kam.

Über die Umweltbilanz einer einzelnen Paketsendung herrscht Uneinigkeit: Radio Bayern gibt unter Berufung auf DHL an, eine Online-Bestellung sei bereits umweltfreundlicher, sobald mit dem Auto zwei Kilometer für den Einkauf zurückgelegt werden müsse, laut des Umweltministeriums von Rheinland-Pfalz hingegen sind es 50 Kilometer. Zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einkaufen zu gelangen ist auf jeden Fall umweltfreundlicher als jeder Online-Einkauf. Unbestritten ist auch, dass Retouren die Umwelt stark belasten – gerade in der Bekleidungsbranche wird mehr als jedes zweite Päckchen zurückgesendet. Auch die zusätzlichen Verpackungen, die bei der der postalisch verschickten Ware notwendig sind, wirken sich negativ auf die Ökobilanz aus.

Doch nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Innenstädte hat das Online-Shopping Auswirkungen. Durch die Konkurrenz im Internet müssen viele Läden schließen. Besonders in Kleinstädten prägen leerstehende Schaufenster oder Billig-Ketten das Stadtbild. In den tristen und verödeten Innenstädten können sich dann zum Teil nicht einmal mehr Cafes oder Restaurants halten. Wer spontan etwas einkaufen möchte, sieht sich oft gezwungen, erstmal mehrere Kilometer zurückzulegen. Dadurch geht in meinen Augen ein Stückchen Lebensqualität verloren.

Zwar werden Arbeitsplätze, die durch Ladenschließungen wegfallen, durch neu entstandene Beschäftigungen im Online-Handel ausgeglichen. Diese Stellen im Bereich Logistik, Transport und Verwaltung sind jedoch meist im Niedriglohnsektor angesiedelt und mit miserablen Arbeitsbedingungen verbunden. So prangert Günter Wallraff nach seinen verdeckten Recherchen im Paketdienst GLS an, das Unternehmen betreibe „eine Form von moderner Sklavenarbeit mitten in Deutschland“.  Dadurch, dass die Arbeiter meistens nur pro Paket und nicht pro Stunde bezahlt werden, ergeben sich Dumping-Löhne von 3-5 Euro pro Stunde, wobei Investitionen wie das Auto und Risiken zum Teil noch selbst getragen werden müssen! Doch auch ein sogenannter„Picker“, der zum Beispiel bei Amazon Pakete zusammenstellt, arbeitet unter menschenunwürdigen Bedingungen: Ein elektronischer Scanner gibt genau vor, wieviele Sekunden der Arbeiter brauchen darf um das nächste Paket zu finden und hetzt ihn dadurch wie einen Roboter durch die Halle. Ganz nebenbei bemerkt zahlt Amazon erst seit zwei Jahren überhaupt Steuern in Deutschland.

Insgesamt wird klar, dass das Online-Shopping zwar viele persönliche Vorteile bietet, aber auf die Umwelt, die Wirtschaft und die Innenstädte einige negative Auswirkungen hat.

Doch wie kannst du persönliche Vorteile des Online-Shoppings mit den allgemeinen Vorteilen des Einkaufens vor Ort verbinden?

Hier habe ich einige Tipps gesammelt, die ich versuche zu beherzigen (die Betonung liegt auf versuche). Hast du weitere Ideen, so freue ich mich über deinen Kommentar.

  1. Die Läden vor Ort kannst du unterstützen, indem du zuerst dort schaust, ob du etwas Passendes findest. Wenn nicht, kannst du immer noch online bestellen.
  2. Wenn das Produkt im Laden viel teurer ist als online, so kannst du den Einzelhändler auch freundlich darauf hinweisen und fragen, ob er dir preislich entgegenkommt.
  3. Suchst du ein ganz spezielles Produkt und findest es nur online, so kannst du eventuell in einem entsprechenden Geschäft fragen, ob sie das Produkt für dich bestellen.
  4. Ist die Preisspanne zwischen dem Internetangebot und dem vor Ort sehr groß, wie zum Beispiel bei Reißverschlüssen oder Taschenverschlüssen, so kaufe ich online einen gewissen Vorrat, ergänze ihn jedoch nach Bedarf im Handarbeitsgeschäft.
  5. Häufige Transportwege und hohe Versandkosten kannst du vermeiden, indem du gleich mehrere Produkte bei bei einem Online-Anbieter bestellst.
  6. Wenn du nicht möchtest, dass ein großer Anbieter den Markt dominiert und diese Marktmacht ausnutzt, um die Preise zu diktieren, wenige bis keine Steuern zu zahlen und seine Angestellten unter miserablen Bedingungen schuften lässt, so bestelle nicht bei den Internet-Giganten sondern bei verschiedenen kleinen Online-Shops.
  7. Sofern es vor Ort eine Buchhandlung gibt, so empfehle ich dir, Bücher ausschließlich dort zu kaufen. Die meisten Buchhandlungen haben Bestellungen am nächsten Tag vorrätig und sind damit viel schneller als jeder Online-Versand.
  8. Im Internet ist ein Einkauf durch ein paar Klicks getätigt, sodass man oft nicht dazu kommt, sich zu überlegen, ob das Produkt wirklich benötigt wird. Ein paar Mal habe ich aus einer kurzfristigen Begeisterung Stoffe gekauft ohne mir klar zu machen, dass ich sie eigentlich gar nicht vernähen kann. Deswegen nehme ich mir vor, bevor ich etwas kaufe, ein paar Tage darüber nachzudenken, ob ich es auch wirklich brauche.
  9. Wenn aber dein Herz daran hängt und du nach ein paar Tagen immer noch an das Produkt denkst, dann kaufe es, Umweltbilanz und sonstige Nachteile hin oder her!

Der Online-Handel nimmt inzwischen einen sehr großen Stellenwert ein, und diese Tendenz lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Der totale Verzicht auf das Online-Shopping ist auch nicht erstrebenswert, dennoch kann es nicht schaden, das eigene Kaufverhalten kritisch zu überdenken und da, wo es ohne große Einbußen geht, gegebenenfalls umzustellen.

Ein zukunftsträchtiges Modell liegt meiner Meinung nach in der Verbindung von Online-Shopping und dem Ladenverkauf: Gerade in kleineren Städten oder Dörfern zeigt sich, dass manche Läden neben dem offenen Verkauf ihre Produkte auch im Internet anbieten und so auch an weniger attraktiven Standorten ihr Überleben sichern. Das ist eine ideale Möglichkeit, um wieder Leben in die Innenstädte zu bringen und ich hoffe, dass sie sich an vielen Orten durchsetzt!

 

 

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6 Comments

  1. Ein guter Post finde ich 🙂 Über etwas worüber ich auch oft nachdenke. Für mich gibt es noch einen entscheidenden Grund weniger online zu kaufen: Anonymität. Niemand kann nachvollziehen was ich wann offline gekauft habe und ich bekomme danach auch keine Werbeprospekte. Gerade bei Stoff wird es aber bei mir immer schwerer nicht online zu kaufen, die Auswahl in den Läden hier ist so beschränkt.
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Liebe Katharina, vielen Dank für deinen interessanten Kommentar. Du hast recht, durch das Online-Shopping macht man sich schon ein bisschen zum gläsernen Konsument. Was die Stoffauswahl betrifft, so sind für mich Stoffmärkte eine gute Alternative.
      Liebe Grüße,
      Amely

  2. Ein wichtiges Thema. Während man bei ein paar Dingen aufgrund des gravierenden Preisesunterschiedes online bestellt, lasse ich mir die Freude über das unverhoft im Laden gefundene gern etwas kosten. Suchen, stöbern – ein tolles, individuelles und kreatives Ladenkonzept unterstütze ich gern. Nichts ersetzt die Sonne auf dem Kopf und den Kaffee während man eine Stadt erkundet und schlendert. Unbezahlbar.
    Oft vergessen: Leider ist Lohndumping auch im Verkauf zu finden. Manch Verkäuferin putzt, räumt auf und schließt die Kasse in ihrer Freizeit, weil der Chef nur pauschal 5 min nach Ladenschluss zahlt, ob noch ein Kunde da ist oder nicht. Statt Trinkgeld widme ich ein freundliches Wort und Lächeln direkt an die Verkäufer. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass sie wissen, wie sehr man sie doch schätzt!

    Qualität hat seinen Preis. Qualität ist Auswahl. Qualität ist Freundlichkeit… usw.

    Liebste Grüße
    Sandra

    1. Liebe Sandra, danke für deine Ergänzung. Dass Lohndumping auch im Verkauf üblich ist, war mir ehrlichgesagt nicht so bewusst. Es hängt wohl stark vom jeweiligen Geschäftsinhaber ab, wie es gehandhabt wird.
      Mich freut es auch, wenn ein individueller und kreativer Laden vor Ort eröffnet und das unterstütze ich dann auch gern.
      Liebe Grüße,
      Amely

  3. Du regst mal wieder zum Nachdenken an! Ich bin bei diesem Thema sehr zwiegespalten, denn zum einen bestelle ich sehr gerne aus Bequemlichkeit online. Mit Kind ist es mir oft einfach zu umständlich alle Läden der Stadt abzuklappern, bis ich genau das habe, was ich möchte und brauche – online geht das deutlich stressfreier. Doch auf der anderen Seite mag ich vor allem kleine und individuelle Läden, die es hier in Stuttgart quasi an jeder Straßenecke gibt und die mich mit ihrem Konzept überzeugen – vor allem zum Thema Kind – und unterstütze sie auch sehr gerne (erst heute wieder einen Stapel Kinderbücher besorgt). Vor allem aber kaufe ich Stoffe und Zubehör online, da ich vor Ort nicht die Möglichkeit habe, genau die Stoffe zu kaufen, die mich auch interessieren und ansprechen.
    Vielen Dank für den Denkanstoß – ich nehme es mit und versuche mal bewusst beim Online-Shopping darauf zu achten!
    Liebe Grüße
    Stephie

  4. Liebe Stephie, ich kann mir wirklich gut vorstellen, dass es mit einem Kleinkind nicht gerade entspannend ist, verschiedene Stoffläden abzuklappern! Und mir geht es auch so, dass ich oft Stoff online bestelle, da ich eben meine, genau diesen wunderschönen Stoff und keinen anderen zu brauchen! Ich will aber einen Schritt zurückfahren und lieber mehr in Läden kaufen, da ich online auch schon viele Fehlbestellungen getätigt habe.
    Ich mache mir über solche Themen eben Gedanken, aber ich will mich auch nicht total einschränken und auf alles verzichten, denn das tut mir auch nicht gut. Ich versuche, die Punkte umzusetzen, die mir leicht fallen und damit bin ich dann zufrieden.
    Liebe Grüße,
    Amely

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