Buchvorstellung: Blackbox Gardening

Naturnahe Gartengestaltung

Die Menschheit hat die Natur in Nationalparks und geschützten Biotopen gerettet, da brauchen wir sie nicht auch noch neben der Terrasse, scheint das Credo von Gartenbesitzern zu lauten, die gerade ihren Kindern das Geräusch einer Biene auf der Tierstimmen-App vorspielen und nebenbei eine neue Landlust-Ausgabe in ihren Lounge-Möbeln genießen. Waren wir von der Natur jemals weiter entfernt als heute? (Blackbox-Gardening S. 7)

Das frage ich mich auch, wenn ich die “modernen und zeitsparenden” Gärten anschaue, in denen der Natur mit allen verfügbaren Mitteln (Beton, Steine, Unkrautvlies und Gift) der Kampf angesagt wird. Doch das Motto von “Blackbox Gardening” heißt nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur gärtnern. Die Natur soll sich nicht dem Gestaltungswillen des Gärtners unterordnen, sondern als ebenbürtige Mitspielerin in den Gestaltungsprozess einbezogen werden.


Als Blackbox bezeichnen Wissenschaftler ein komplexes System, das nur von außen zu betrachten ist. Die inneren Prozesse bleiben unbeobachtet. Dementsprechend ergreift der Gärtner beim Blackbox Gardening am Anfang die Initiative, und überlässt es dann der Natur mit ihren unergründlichen Wegen und Möglichkeiten, diese aufzugreifen und fortzuführen. Das Ergebnis ist nicht so exakt planbar wie in der traditionellen Gartengestaltung. Aber durch die Wechselwirkung zwischen gärtnerischem Eingreifen und natürlicher Entwicklung kann eine kreative und überraschende Gartengestaltung entstehen.

Die Initiative des Gärtners besteht im Blackbox Gardening weniger darin, Pflanzen an einen bestimmten Platz zu setzen, als darin, Saatgut von sich selbst vermehrenden Pflanzen auszubringen. Gefällt den Pflanzen dieser Standort nicht, so verabschieden sich bestimmte Sorten schnell oder tauchen gar nicht erst auf. Fühlen sie sich hingegen wohl, so breiten sie sich aus. In dem Fall ist der Pflegeaufwand auch geringer als bei Pflanzen, die widerwillig an einem unpassenden Standort gehalten werden.

Doch das Blackbox Gardening kann auch zeitintensiv werden, wenn sich ungewünschte Arten extrem ausbreiten und von Hand gejätet werden müssen. Deswegen ist es empfehlenswert, die Methode erstmal an einer kleinen Fläche auszuprobieren und sie dann nach und nach auf größere Areale auszuweiten.

Die Autoren Jonas Reif, Christian Kress und Jürgen Becker stellen auch beeindruckende Gärten vor, die nach diesem Prinzip gestaltet wurden. Teilweise wechseln sich “wilde” Ecken mit formal strengen Gestaltungsmitteln wie immergrünen Hecken mit Formschnitt ab, was auch sehr rezivoll wirkt.

Im letzten Drittel des Buchs finden sich viele Portraits von selbstversamenden Pflanzen.

Ich habe sehr gern in dem Buch geschmökert, nicht nur weil mich das Konzept anspricht, sondern auch wegen der schönen Fotos. Ich kann mir gut vorstellen, eine kleine Gartenecke mal zur Blackbox zu erklären und ein paar der im Buch vorgestellten Pflanzen auszusäen.

Schade finde ich nur, dass der Garten als Lebensraum für verschiedenste Tierarten nicht behandelt wird. Mich würde interessieren, welche der vorgestellten Pflanzen für Bienen, Schmetterlinge oder Vögel nützlich sind und welche nicht.

Aber insgesamt ist es auf jeden Fall eine interessante Anregung!

Liebe Grüße,

Amely

Blackbox Gardening von Jonas Reiff, Christian Kress und Jürgen Becker; erschienen im Ulmer Verlag; ISBN 978-3-8001-7538-3

Übrigens habe ich das Buch von Freunden ausgeliehen (Danke nochmal!); es handelt sich also nicht um bezahlte Werbung.

Verlinkt:

 

 

 

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17 Kommentare

  1. Liebe Amely,
    mach dir keine Gedanken über Werbung…Rezensionen sind ein ganz legales Medium des Internets. Ich mache das ja auch regelmäßig.
    Ich habe mir dieses Buch allerdings ausnahmsweise letztes Jahr schenken lassen und es gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern. Schon alleine wegen den Fotografien lohnt sich die Anschaffung. Christian Kreis von Sarastro Stauden hat gerade für sein jüngstes Buch den Gartenpreis in Dennenlohe verliehen bekommen.
    Eins meiner Lieblingsfotos im Buch ist auf S. 133, die Stockrosen an der Hauswand…;-)
    LG Sigrun

    1. Liebe Sigrun, freut mich, dass dir das Buch auch gefällt! Die Stockrosen sind wirklich wunderschön… Hast du schon mal ein paar Ideen daraus umgesetzt und so schon ein paar Erfahrungen mit dem Blackbox Gardening gesammelt? Das würde mich wirklich interessieren… Bei mir passiert Blackbox Gardening eher unfreiwillig, wenn sich ein ungeliebtes Kraut mal wieder rasant vermehrt…
      Liebe Grüße,
      Amely

      1. Das Buch habe ich erst im Sommer geschenkt bekommen und da war es hier schon zu heiß und trocken zum Säen und Pflanzen. Dieses Jahr werde ich aber mal versuchen, etwas daraus zu verwirklichen. Allerdings hab ich schon immer Pflanzen im Garten, die zur Selbstaussaat neigen. Funktioniert am besten, wenn man anfangs Lücken im Beet hat und dem Drang widersteht, Unkraut zu jäten….:-))
        LG Sigrun

        1. Ich bin gespannt, welche Ergebnisse du damit erzielst. Wahrscheinlich ist es wirklich am besten, am Anfang gar nicht zu jäten, sonst reißt man alle gewünschten Pflanzen mit raus:)
          LG Amely

  2. Liebe Amely,
    Danke für Deinen netten Kommi bei mir 🙂
    Genau genommen ist naturnahes Gärtnern Blackbox-Gardening. Ich pflanze und säe aus, ebenso lasse ich Aussaat der vorhandenen Pflanzen zu. Bei den Einwanderern schaue ich, was passt und achte darauf , das nichts Überhand nimmt.
    Falls Du mal von einem Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommst, es ist ausreichend, darauf hinzuweisen. Bezahlte Werbung ist es, einen Post zu schreiben, für den man ein Honorar erhält. Schau, hier habe ich das beschreiben:
    http://allegriaslandhaus.de/kontakt/fuer-mehr-transparenz/
    Liebe Grüße
    Karen

    1. Liebe Karen, ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass du deinen tollen Beitrag hier verlinkt hast! Danke auch für deinen Kommentar, der die Verbindung zwischen naturnahem Gärtnern und Blackbox Gardening nochmal verdeutlicht. Ich habe auch vor, einiges auszusäen und dabei die Selbstaussaat zuzulassen. Allerdings werde ich auch ganz traditionell weitere Pflanzen setzen, da man damit auch ohne viel Erfahrung meist mehr Erfolg hat… Also eine gute Mischung:)
      Rezensionsexemplare bekomme ich derzeit noch nicht, aber trotzdem war ich etwas unsicher was die Rechtslage bei Buchvorstellungen auf Blogs betrifft. Dein Artikel hat nochmal etwas Licht ins Dunkel gebracht:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  3. Hallo Amely!

    Ein interessantes Konzept, das hier vorgestellt wird. Das Prinzip habe ich schon öfters im Garten der Schwiegermutter beobachtet. Egal wo sie Dill anbauen wollte, es hat nicht funktioniert. Nur dort, wo er wild aufgegangen ist, hat sich die Pflanze entwickelt!

    lg
    Maria

    1. Hallo Maria, mir ging es auch schon ein paar Mal so wie deiner Schwiegermutter… Walderdbeeren zum Beispiel haben sich rasant vermehrt und überall angesiedelt, wo ich sie nicht haben wollte. Letztlich hab ich aber klein beigegeben, war weniger Arbeit so:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  4. Liebe Amelie,
    das ist eine interessante und richtige Herangehensweise. Man soll zusammen mit der Natur arbeiten. Aber die Ausbreitung von bestimmten, stark wuchernden Pflanzen will man im eigenen Garten doch in Schach halten. Wenn nicht, hätten wir in unserem Garten zum Beispiel auch wilde Himbeeren, die wir so schwer (vor 15 Jahren) aus unserem Grundstück rausgekriegt haben. Unser Garten ist teilweise ein Waldgarten. Wenn wir ihn nicht pflegen würden, hätten wir eine Hälfte als Wildnis, die wir selber kaum betreten könnten. Ich möchte bestimmt nicht zurück zu dem Garten, den wir vor unserem Einzug gefunden haben. Black Box Gardening ist doch in jedem Garten, wenn man das Gespür für Pflanzen hat.
    Liebe Grüße
    Loretta

    1. Liebe Loretta, vielen Dank für deinen interessanten Kommentar! Das Problem mit den stark wuchernden Pflanzen kenne ich auch. Wir hatten in unserem letzten Garten wilde Brombeeren, die zwar keine einzige Beere hatten, dafür aber jede Menge stachliger Ausläufer und sehr tiefe Wurzeln. Das war eine echte Plage! Ich vermute, dass das Blackbox Gardening für solche Probleme noch anfälliger ist als das traditionelle Gärtnern, wo man z.B. durch Bodendecker, mehrjährige Stauden und durch das Mulchen Unkraut besser in Schach halten kann. Deswegen werde ich den Versuch auch nur in einer kleinen Ecke starten:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  5. Die Versteinerung unserer Hausgärten nimmt bedenklich zu, wo bitte schön sollen unsere Insekten und Bodenlebewesen ihre Nahrung holen. Mit einem guten Gespür und mit der Natur Gärtnern machen immer weniger.
    L G Pia

    1. Liebe Pia, genau das ist das Problem! Man kann nicht oft genug in Erinnerung rufen, wie wichtig Gärten für den Erhalt der Artenvielfalt und für die Umwelt sind. Deswegen habe ich auch die Linkparty Naturnahe Gartengestaltung ins Leben gerufen. Ich hoffe, dass dadurch ein interessanter Austausch entsteht. Also, wenn du mal was verlinken möchtest, würde ich mich freuen!
      Liebe Grüße,
      Amely

  6. Liebe Amely,
    dürfen die Beiträge dazu denn auch schon älter sein, denn dann würde ich einen entsprechenden Post zusammenstellen, um aufzuzeigen, wie man eine Lehm-Betonwüste in der Vorderpfalz im Laufe der Jahre in ein Schmetterlings- und Bienenparadies verwandeln kann, in dem sich auch Katzen, Schildkröten, Igel, Frösche, Kröten und sogar Gottesanbeterinnen!!! (ja wirklich!!) wohl fühlen, vorausgesetzt ich schaffe es, die ganzen Fotos einzuscannen.
    Wie lange geht denn die Linkparty??

    Viele liebe Grüße
    Jeanne

    P.S. hab die Flüssigseife gestern gemacht; ist super geworden!! Mein Mann hatte sich schon auf die “Weinschaumsoße” im Thermomix gefreut!! Doch Pustekuchen!!! ;)))

    1. Liebe Jeanne, ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn du so einen Post zusammenstellst und verlinkst!!! Wirklich toll, dass sich so viele unterschiedliche Tiere auf dem Grundstück wohlfühlen!
      Ich habe vor, jeden Freitag Beiträge zum Thema naturnahe Gartengestaltung zu sammeln. Zumindest falls es im Lauf der Zeit auf Interesse stößt:) Nähere Infos dazu findest du übrigens hier: https://www.pfauen-auge.de/naturnahe-gartengestaltung/
      So ein Beitrag wie deiner würde auf jeden Fall super passen!
      Liebe Grüße,
      Amely
      P.S. Freut mich, dass es mit der Flüssigseife geklappt hat. Ich hoffe, dein Mann hat nicht erst durch Probieren herausgefunden, dass es sich nicht um eine Weinschaumsauce handelt:)

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