Nähen und Chaos

Wie kann man einen ordentlichen Raum in kürzester Zeit in größtmögliches Chaos verwandeln?

Mir fallen da ein paar Möglichkeiten ein:

Man könnte zum Beispiel die Haustür demonstrativ offen lassen und hoffen, dass zufällig ein paar Einbrecher vorbeispazieren und die Gelegenheit beim Schopf packen.

Oder man ruft bei einer Entrümpelungsfirma an und fragt, ob sie ihre Arbeit auch rückwärts machen.

Oder: Man fängt an zu nähen.

Bei mir läuft das dann zum Beispiel so ab:

Wo war nochmal der dunkelblaue Stoff mit den Vögeln drauf? In dieser Schublade? (Um an die unteren Stoffe zu kommen, müssen die oberen Schichten ausgeräumt und auf einen Stuhl gelegt werden.) Nee, hier nicht, also muss es in der anderen Schublade sein. Mist, die ist ja auch total vollgestopft, also ich sollte wirklich dringend mal Stoffe aussortieren oder besser noch vernähen…

Ah, ja, hier ist er. Jetzt nur noch einen passenden Innenstoff, da war doch mal was… (Gruschtel, gruschtel) Der hier könnte passen. Und das Schnittmuster hab ich gleich, das ist genau in diesem Ordner. Ach nein, das ist der Ordner mit den Rechnungen… (Ordner liegt noch offen auf dem Boden) Aber hier ist es, genau. (Ebenso wie der Ordner mit den Schnittmustern.)

Bevor ich den Stoff zuschneide, erstmal kurz bügeln. (Bügelbrett mit Bügeleisen und Verlängerungskabel schränken den Bewegungsradius im Raum deutlich ein.) Jetzt noch schnell den Esstisch freiräumen, damit die Schneidematte und die Nähmaschine drauf passen. (Inzwischen befinden sich auf dem Boden noch ein ausgeklapptes Nähkästchen, ein Karton mit verschiedenen Reißverschlüssen sowie eine Tüte mit Bügelvlies.) So, jetzt kann ich mit dem Zuschnitt loslegen.

“Ich hab Hunger, kannst du mir ein Stückchen vom Tisch freiräumen? So 30 Quadratzentimeter würden schon reichen.” (Mein Freund versucht in einer Art Hindernislauf zum Esstisch zu kommen, ohne sich in einem Verlängerungskabel zu verheddern.) Grrmpfh, ausgerechnet jetzt, wo ich alles aufgebaut habe. “Ja klar, kein Problem.”

Entsteht bei euch auch immer so ein Chaos, während ihr näht? Oder geht das nur mir so?

Auch wenn ich mir beim Nähen selbst oft ein Hobby wünsche, das weniger materialintensiv und chaosanfällig ist, so genieße ich es doch jedes Mal, das fertige Produkt in den Händen zu halten. Aus einem unscheinbaren, platten Stoff wird ein dreidimensionales funktionales Objekt, das genau so aussieht, wie man es sich vorher vorgestellt hat (also meistens jedenfalls). Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue und dafür nehme ich das zeitweilige Chaos gerne in Kauf.

Liebe Grüße aus dem inzwischen wieder aufgeräumten Esszimmer,

Amely

Außenstoff: “Les Fleurs” Tapestry Black über Stoffsalat

Innenstoff: “Les Fleurs” Queen Anne Peach über Stoffsalat

Schnittmuster:Zippered Pouch” von Noodlehead

Verlinkt: TaschenThemen; Creadienstag; Handmade on Tuesday; Dienstagsdinge; Rums;

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14 Kommentare

  1. Witzig geschrieben, klar entsteht bei mir auch Chaos, ok ich habe zwar eine Nähecke und den Tisch muss ich nicht teilen und dennoch schaffe ich es. Das Bügelbrett wird eigentlich nur noch bei Besuch weggeräumt, sonst gehört es schon zur Wozi-Einrichtung. Deine Täschchen wunderschön.
    LG,
    Petra

    1. Liebe Petra, danke für deinen Kommentar! Eine extra Nähecke vereinfacht natürlich die Sache enorm… Ein richtiges Nähzimmer wäre schön! Aber man kann sich ja auch anders arrangieren….
      Liebe Grüße,
      Amely

  2. Was da hilft ist ein Nähzimmer! Nicht dass das bei mir nicht auch chaotisch ist, aber es hat das ganze ein bisschen entspannt 😀 die Taschen sind sehr hübsch geworden und lassen kein Chaos vermuten 😉
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Liebe Katharina, ein Nähzimmer ist sicher eine tolle Sache! Mangels Zimmer ist das aber bei uns nicht möglich:) Der schönste Moment beim Nähen ist der, in dem man das fertige Produkt in den Händen hält und das Chaos beseitigt hat, finde ich:)
      LG Amely

  3. Das Chaos hat sich gelohnt, die Täschchen sind wunderschön!
    Und klar kenn ich das .. Seit kurzem bin ich aber glücklicherweise Besitzerin eines kleinen Nähzimmers 🙂 Darin herrscht aktull zwar auch meistens noch Chaos, aber wenigstens kann ich einfach die Tür zumachen. Und das Genie beherrscht ja bekanntlich das Chaos 😉
    Liebe Grüße,
    Ronja

    1. Hallo Ronja, ein Nähzimmer ist natürlich eine tolle Sache! Da kann man die Tür hinter sich schließen und das Chaos ausblenden, das beim Nähen ja wohl unvermeidlich ist:)
      Liebe Grüße,
      Amely

    1. Liebe Semi, da frage ich mich glatt, wer bei dir hauptverantwortlich für das Chaos ist: Deine Nähleidenschaft, die Jungs, die Katze oder der Mann?
      Liebe Grüße,
      Amely

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