„Der Sommer ist zu kurz“-Top – erste Gehversuche in puncto Kleidung nähen

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Mein allererstes Nähprojekt im Alter von 14 Jahren war nicht etwa ein Stoffelefant, Kissenbezug oder Haarband, sondern gleich ein komplettes Kleid mit Ärmeln, Reißverschluss und allem was dazu gehört. Ich war wahnsinnig stolz auf das immerhin tragbare Stück. Allerdings vermute ich rückblickend, dass für den Erfolg eher die Unterstützung meiner Mutter verantwortlich war als meine nicht vorhandenen Nähkenntnisse.

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Was habe ich seit diesem überambitionierten Erstlingswerk genäht? Nichts, nada, niente.
Bis ich meine Nähmaschine vor etwa einem halben Jahr wieder zum Leben erweckte, und zwar mit einigen simplen Kissenbezügen. Seither hat mich das Stoffkauf- und Nähfieber nicht mehr losgelassen. Ich habe verschiedene Taschen genäht, mich aber nicht so recht an Kleidung getraut.

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Mein allererstes selbstständig genähtes Kleidungsstück zeige ich euch hier: Das Top mit dem gewöhnugsbedürftigen Namen „Der Sommer ist zu kurz“!

So, und jetzt bitte ich alle, die schon ein oder mehrere Kleidungsstücke genäht haben, sich Ohren und Augen zuzuhalten, damit ihr die Schilderung des (unblutigen) Näh-Gemetzels nicht ertragen müsst!

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Ich druckte den Schnitt (Sorbetto-Top von Colette Patterns) aus und wählte zwischen Größe 0-16 die Mitte, also 8, da ich meinen Umfang so mittel einschätzte (messen? Fehlanzeige).

Doch das Top schien mir zu kurz, weswegen ich die Taille kurzerhand um 13(!) cm verlängerte.

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Aus einem türkisfarbenen Bettlaken, das mein Freund als “zu unmännlich” empfindet und deswegen boykottiert, nähte ich ein Probestück.

Tja, was soll ich sagen… Das Top sah nach dem aus, was es war, und zwar nach einem türkisfarbenen Bettlaken mit drei Löchern!

Da ich nicht als Erfinderin der ärmellosen Burka in die Nähgeschichte eingehen wollte, kürzte ich die Länge und verschmälerte die Seiten etwa um zwei Zentimeter, alles Pi mal Daumen und direkt am Stück. Das Ergebnis dieser brachialen Verschönerungskur: Es sah nach einem Bettlaken aus, das versucht, ein Top zu sein.

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An dieser Stelle war ich kurz davor, alles hinzuwerfen und mich wieder aufs Taschennähen zu besinnen. Aber dann trennte die Seitennähte doch nochmal auf und mit einigen Veränderungen gelang es mir, ein locker sitzendes Oberteil zu nähen, das meinen Vorstellungen entspricht.

Nachdem ich diese abenteuerliche Näh-Odyssee hinter mir hatte, war es gar kein Problem mehr, das Top sauber und aus einem schönen Stoff zu nähen.

Ich bin froh darüber, dass ich die Kurve in Richtung Kleidungnähen noch gekratzt habe! Es fühlt sich wirklich super an, etwas Selbstgenähtes anzuziehen! Ein bisschen wie Schmetterlinge im und in dem Fall auch auf dem Bauch:)

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Natürlich würde ich das Top jetzt gerne noch ein paar Monate tragen, aber dafür ist der Sommer wohl doch zu kurz! Dieser Satz ist zugegegebenermaßen ein wenig kreativer Namensgeber. „Sommerliches Schmetterlings-Sorbetto“ hätte auch ganz gut gepasst, aber für den Buchstaben S bei 12 Letters of Handmade Fashion war ich leider zu spät dran, und so musste jetzt eben ein Namen mit K her!

Für alle Nähinteressierten habe ich hier die Veränderungen, die ich vorgenommen habe, nochmal zusammengefasst:

  • Seitenbreite Größe 0, oben ( Hals-, Rücken und Armausschnitt) Größe 8, da es ganz gut gepasst hat und ich nicht mehr alles auftrennen wollte
  • Verlängerung in der Taille 7 cm
  • Brustabnäher auf 10cm Länge gekürzt
  • im Hüftbereich von Größe 0 auf Größe 4 verbreitert, sodass die ausgestellte Form entsteht
  • Vorderteil unten verlängert und leicht abgerundet, Rückenteil ist aber gerade
  • außerdem habe ich alle Nähte versäubert, da der Stoff leicht ausfranst

Schnitt: Sorbetto-Top von Colette Patterns

Schmetterlingsstoff: Fly Flutter von Michael Miller, gekauft bei Senci in Karlsruhe; online habe ich ihn in weiß nur bei amerikanischen Stoffhändlern gefunden oder in rosa hier

verlinkt: RUMS12 Letters of handmade fashion

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