Einkaufstaschen und Beziehungsprobleme

Einkaufstasche nähen

Heute will ich euch mal ganz offen von meiner Beziehung berichten. Wie überall gibt es hin und wieder Probleme. Zur Zeit führen wir leider nur noch eine On-Off-Beziehung auf Distanz.

Aber ganz langsam von vorne: Ich begegnete ihr zum ersten Mal im Alter von 14 Jahren, und es war Liebe auf den ersten Stich. Doch nach unserem ersten gemeinsamen Abenteuer (Kleid nähen) trennte sie sich von mir – mit der Begründung, ich habe sie zu schlecht behandelt.

Nach jahrzehntelanger Funkpause trafen wir uns zufällig wieder, nicht gerade in romantischem Ambiente (Dachboden). Mehr aus Mitleid als aus Interesse lud ich sie zu mir ein. Doch aus einer anfänglichen Zweckbeziehung, die nur dazu diente, ein paar einfallslose Kissenbezüge zu nähen, entwickelte sich eine echte Leidenschaft. Wir überstanden so manches unblutige Nähgemetzel, lösten mit kriminalistischem Spürsinn vertrackte Fälle, und gewannen Duelle gegen scheinbar unbesiegbare Gegner. Das verbindet!

Aber nach und nach traten einige Unstimmigkeiten auf, die ich in der Anfangseuphorie dank rosaroter Brille nicht wahrgenommen hatte. Sie hat einen deutlichen Hang zum Perfektionismus, während ich beim Nähen eher ergebnisoffen arbeite. Auch ihre Eifersucht macht mir schwer zu schaffen: Kaum wende ich mich mal dem Aquarellkasten oder dem Stempelwerkzeug zu, macht sie   mir eine Szene und ist nur durch stundenlanges Geradstich-Nähen wieder zu beruhigen. Sehr unangenehm ist außerdem ihre Angewohnheit, eigenmächtig Stoffe zu kaufen und Projekte zu planen, die meine Kapazitäten bei weitem übersteigen. Erst kürzlich hat sie wieder Stoffe für eine Bluse, ein T-Shirt und sogar eine Kapuzenjacke gekauft (absolut gegen meinen Willen natürlich).

Eine schlichte Einkaufstasche war der kleinste gemeinsame Nenner, auf den ich mich mit ihr einigen konnte. Ich hoffe, damit gibt sie sich fürs erste zufrieden. Aber was höre ich da? “Immer nur Einkaufstaschen, davon kann doch eine betagte Lady wie ich nicht leben, eine Zumutung ist das, ein Ballkleid muss ja nicht sein, das erwarte ich ja gar nicht, aber wenigstens mal eine anständige Hose, eine Bluse oder wegen mir auch so ein neumodisches T-Shirt, das muss doch mal drin sein, also wirklich…”

Lady Stretch-241, wir müssen reden.

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6 Kommentare

    1. Liebe Llewella, danke für deinen Kommentar! Ich hatte schon befürchtet, meine Phantasie sei mal wieder mit mir durchgegangen und die Leser verstehen nur Bahnhof. Jetzt freu ich mich, dass du gelacht hast:)
      LG Amely

  1. Super Geschichte und ja die Welt braucht mehr Phantasie! Ich hatte auch eine ähnliche Beziehung (seufz), aber wir haben uns dann endgültig getrennt. Bin eine neue Verbindung eingegangen und nun sehr glücklich. Weiterhin viele Späße euch beiden.

    LG Kate

    1. Hallo Kate, danke für deinen Kommentar! Ja, in meiner Phantasie gibt es sprechende Nähmaschinen, die in den Stoffladen gehen und kräftig shoppen…. Muss wohl so was wie mein Alter Ego sein:)
      Liebe Grüße!
      Amely

  2. Hallo Amely,

    habe ich dir schon gesagt, dass du eine großartige Art und Weise hast zu schreiben?
    Wenn nicht, dann tue ich es jetzt!
    Deine Texte bringen mich zum schmunzeln und sie heben sich eindeutig von all den gleichklingenden Wortlauten im weiten Internet ab.
    Mach weiter so!
    Und coole Tasche! 😉
    Liebe Grüße von
    Tanja

    1. Liebe Tanja, über dein Lob freue ich mich wirklich sehr! Ich versuche immer, ein Thema von einer anderen Perspektive zu betrachten und so den Text etwas interessanter zu gestalten:)
      Liebe Grüße!
      Amely

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