Schmetterlingsskizze

Skizze Schmetterling

Manchmal fühl’ ich mich so analog.

Ich will die zarten, zerbrechlichen Kirschblüten, die wie Zuckerwatte an den knorrigen Ästen kleben, bewundern. Aber bitte auf keinen Fall ein Foto davon machen.

Ich will dem Summen der Bienen und dem Flattern der Schmetterlinge lauschen. Aber partout keinen Audiostream davon auf Youtube einstellen.

Ich will in ein Meer von Magnolienblüten eintauchen, mich vom Anblick dieser opulenten, kurzlebigen Schönheiten verzaubern lassen. Aber ein Bild davon auf Instagram posten? Geht gar nicht.

Ich will die übermütigen Pirouetten und Verfolgungsjagden der Vögel mitverfolgen. Aber unter keinen Umständen ein Video davon auf Snapchat stellen.

Ich will die Faszination der Mandelblüten mit ihrem zurückhaltenden Charme  begreifen. Aber ein Foto davon auf Facebook teilen? Kommt nicht in Frage.

Ich will die Weite, das Licht und den lauen Wind spüren. Aber ich habe absolut keine Lust, dafür Worte für einen Blogbeitrag zu finden.

Geht euch das auch manchmal so? Oder immer? Oder nie?

Inwieweit ändert sich unsere Wahrnehmung der Realität, wenn wir sie festhalten, fotografieren, filmen, posten, teilen, twittern…? Das ist sicher eine interessante Frage für einen neuen Beitrag:)

In meinen analogen Modus hat sich doch noch eine kurze digitale Phase geschlichen, in der auch die Fotos entstanden sind.

  Skizze Schmetterling

Passend dazu zeige ich euch noch eine Bleistiftskizze, die einen Schmetterling andeutet. Ich habe sie schon vor einem Jahr gezeichnet und inzwischen sogar gerahmt. Die Skizze kommt in Kombination mit einem Kirschblütenzweig in der Vase gut zur Geltung:)

Liebe Grüße,

Amely

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20 Kommentare

  1. liebe Amely,
    ich bin ganz froh, dass Du Dich auch dem Digitalen zuwendest, denn ich erfreue mich immer sehr an Deinen Fotos! Aber ich glaube, die Voraussetzung für Deinen Blick fürs Detail und Deinen Sinn für das Schöne ist tatsächlich, dass Du Dir ausreichend Zeit nimmst, um analog einfach wahrzunehmen, Raum zu geben, zweckfrei und nicht gleich festhalten, besitzen, in Sicherheit bringen zu wollen.
    Mir geht es übrigens auch so – ich will erst einmal so schauen und wenn dann von innen der Impuls kommt, etwas aufzunehmen, dann tu ich es.
    Lieben Gruß bis bald mal,
    Mirjam

    1. Liebe Mirjam, durch deinen Kommentar ist mir mal wieder klar geworden, um was es eigentlich geht: das zweckfreie Wahrnehmen. Ohne Ziel, Erfolg oder Wertung die Dinge auf sich wirken lassen. Wenn man sich diesen Freiraum nicht zugesteht, entwickelt man irgendwann einen Tunnelblick und verpasst die Realität. Manchmal warte ich lang auf den Impuls, etwas aufzunehmen und dann zu posten, aber dann macht es mir auch umso mehr Freude!
      Übrigens erfreue ich mich an deinen Fotos vom Kalender auch immer wieder!
      Ganz liebe Grüße und bis bald,
      Amely

  2. Liebe Amely,
    es gibt Momente, Schönheiten, Stimmungen, die sind so schön und gut, die will ich einfach nicht festhalten. Ich will mich ganz dem Augenblick hingeben und diesen Augenblick auf mich wirken lassen. Jedes Einfangen würde den Zauber zerstören, weil ich mich dann auf etwas anderes konzentrieren müsste.
    Und festhalten lässt sich der Moment sowieso nicht. Ein schöner Himmel auf einem Bild ist eben doch nur ein Bild, es kann bestenfalls einen Teil wiedergeben, aber nie den Moment in seiner Gesamtheit.
    Zu dem Schmetterling kann ich nur WOW sagen. Wunderschön!!!
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang, danke für deinen Kommentar! Ja, es gibt viele Momente, die lassen sich gar nicht einfangen, weil der Zauber entsteht nicht durch das äußerlich Sichtbare. Und selbst sichtbare Schönheiten will ich oft einfach nicht festhalten, da ich mich dann nicht auf den Moment einlassen könnte, wie du auch schreibst. Dann wiederum gibt es Phasen, in denen es mir viel Freude macht, die Welt durch die Linse der Kamera neu zu entdecken, auch gern durch die von anderen. Zum Beispiel eure Bilder von den Frühjahrsknospen schärfen den Blick für das Detail und lassen mich Alltägliches aus einer anderen Perspektive neu entdecken.
      So kann man sich immer wieder auf die digitalen und auf die analogen Momente neu einlassen und sie genießen:)
      Liebe Grüße,
      Amely

      1. Liebe Amely,
        ich möchte Dir für den Tipp mit der Linkparty danken, das freut mich wirklich sehr, da die Party und der dazugehörige Post mir voll und ganz aus dem Herzen sprechen.
        Ich wünsche Dir noch eine schöne Restwoche.

        Viele liebe Grüße
        Wolfgang

        1. Ja, freut mich, ich hab gedacht, dass es dich interessiert:) Außerdem finde ich es total wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen, und wenn es um die Natur und die Artenvielfalt geht erst recht! Deswegen mache ich gern Werbung für andere Blogs, die sich damit befassen.
          Liebe Grüße und dir auch eine schöne Woche,
          Amely

  3. Mir geht es auch ganz häufig so. Immer dann, wenn ich in das Gefühl komme, schöne Dinge “abzuarbeiten”, noch schnell ein Bild zu machen oder einen Blogbeitrag zu schreiben, weil ich ich nunmal die Fotos dazu habe, lasse ich es erst einmal sein. Das ist meist besser für mich und mein Wohlbefinden.

    1. Ja, das sehe ich auch so. Wenn ich in meinem analogen Modus bin und mir vornehme, trotzdem einen Blogbeitrag zu schreiben, wird es auch meistens nichts. Letzte Woche habe ich dann gleich kapituliert und nur ein Bild mit einem Satz veröffentlicht. Digitale Diät sozusagen:) Auch wenn es nicht so schön ist für die Leser, ist es doch wichtig für das eigene Wohlbefinden:)
      Liebe Grüße!
      Amely

  4. Gerade gestern war ich auf einer Velotour vorbei an wunderschön blühenden Obstanlagen und durch den Wald mit den spriessenden hellgrünen Buchenblätter und das ohne Fotoapparat. War sehr erholsam und mein inneres Auge freut sich immer noch an den schönen Anblicken. Stimmt wie du schreibst, es geht auch ohne Fotos.
    L G Pia

    1. Liebe Pia, bei euch in der Region gibt es ja viele Obstbäume, da stelle ich mir eine Radtour echt schön vor! Ich mache auch oft keine Fotos und manchmal ganz viele. So hab ich eine gute Mischung zwischen analoger und digitaler Wahrnehmung:)
      Liebe Grüße
      Amely

  5. Ich finde diese Festhalten im Digitalen für mich eine Möglichkeit, meine Selbstwahrnehmung zu “schulen”. Wie oft habe ich in den vergangenen fast fünf Jahren, in denen es zu viele schwarze Momente gab, die meine Erinnerung zu dominieren versuchen, mein digitales Tagebuch bemüht und mir die vielen wunderbaren anderen Momente zurückgeholt ( und damit meine seelische Balance wieder gerichtet ). Das ist doch eine fast therapeutische Funktion, die da erfüllt wird.
    Dein Blick in die wundervolle Landschaft auf dem 6. Foto tut mir auch gut…
    Frülingshafte Grüße!
    Astrid

    1. Liebe Amely
      schön, dass du nicht nur analog unterwegs warst, denn sonst wären uns diese schönen Fotos entgangen!!…Bei deren Anblick gerate ich sofort ins Schwärmen (seufz!)
      Aber ich weiß genau, was du meinst, denn wenn man mit dem Bloggen einmal angefangen hat, denkt man nach eine Weile nur noch in “Blogger-Manier”. Da tut eine Diät, wie du sie empfiehlst wirklich gut. Für die schönsten Momente im Leben, lass´ ich dann auch mal die Kamera, wo sie ist, und genieße den Augenblick. Dies hat den Vorteil, dass man solche Momente stets wieder abrufen kann….
      Viele liebe Grüße in die Heimat

      Jeanne

      1. Liebe Jeanne, die Pfalz ist einfach zauberhaft um diese Jahreszeit! Da will ich die ganze Natur in mich aufsaugen und genießen. Aber dann bin ich auch wieder froh, wenn ich ein paar Bilder gemacht habe, denn die Bäume sind so schnell verblüht, besonders die Magnolien und die Mandeln.
        Den Blogger-Blick habe ich bei mir auch schon bemerkt. Es ist echt wichtig, erstmal zweckfrei wahrzunehmen (wie Mirjam geschrieben hat), ohne gleich zu überlegen, ob man das für den Blog verwerten kann oder nicht. Da will ich in Zukunft noch mehr darauf achten.
        Ganz liebe Grüße und bald hörst du mehr von mir:)
        Amely

    2. Liebe Astrid, vielen Dank für deinen Kommentar! Du sprichst einen sehr interessanten Aspekt an. Hält man schöne Momente digital fest, kann man sie sich leichter in Erinnerung rufen und durch das Betrachten einen Kontrapunkt zu all den Negativ-Schlagzeilen schaffen, die täglich auf uns einprasseln. Auch kann es befreiend sein, eigene kritische Gedanken zur Weltlage zu formulieren, die Probleme dadurch zu ver- und bearbeiten, anstatt sich von ihnen erschlagen zu lassen, indem man nur die Informationen konsumiert. Insofern finde ich auch, dass das Bloggen zur inneren Balance beiträgt, sofern man sich auch immer wieder Freiräume davon schafft:)
      Liebe Grüße!
      Amely

  6. wunderschön! geschrieben. und bebildert. wo wohnst du denn? es sieht herrlich aus bei dir!
    ich mag das abtauchen in ein digitalfreies leben auch. vergesse oft ganz auf telefon und sonstwas. vor allem, weil wir jetzt einfach fast jede freie minute draußen sind.
    hab noch einen schönen tag!
    bussis andrea

    1. Liebe Andrea, es freut mich, dass dir die Bilder gefallen! Wir wohnen in der Südpfalz, die gerade im Frühling, aber auch im Herbst wirklich wunderschön ist. Je besser mir die Natur um mich herum gefällt, desto mehr schätze ich die digitalen Auszeiten:)
      Liebe Grüße!
      Amely

  7. Es passiert mir oft, dass ich gar keine Lust habe, Fotos zu machen. Dann prägen sich die Dinge eigentlich viel mehr ein….man macht dann innerlich Fotos und speichert sie analog ab. Allerdings schärft die Fotografie auch den Blick und man nimmt Details war, die sonst untergegangen wären.
    Deine Schmetterlingsskizze sieht bestimmt toll aus an der Wand….;-)
    LG Sigrun

    1. Liebe Sigrun, in dem Moment habe ich auch den Eindruck, dass ich Dinge besser wahrnehme und abspeichere, wenn ich sie nicht fotografiere. Allerdings weiß ich nicht, ob der Eindruck nicht trügt, denn an viele Erlebnisse von ganz früher erinnere ich mich nur noch mit Hilfe der Fotos. Ich gucke ein Foto an und dann erst fällt mir langsam ein, das war doch da und da…
      Details, die mir sonst nicht auffallen würden, nehme ich besonders bei Fotos von anderen Bloggern wahr. Dann achte ich auch in meinem Alltag mehr auf diese Besonderheiten und das ist auch schön:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  8. Hi. Wie schön, so haben wir noch etwas davon. Aber ansonsten kann ich Dich verstehen. Wie nimmt man etwas wahr, wenn man es sofort postet, nur über digitalen Blick sieht. Ansonsten: Kopfkino! Vergessten sollte man die Erinnerung der realen Eindrücke nicht. Schönes Genießen
    Liebe Grüße
    Nina

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