Winterbilder, Frühlingstexte und Schreibblockaden

Ja, ihr habt recht, in den letzten Beiträgen habe ich den Frühling regelrecht herbeigeschrieben. Und jetzt komme ich wieder mit Winterbildern um die Ecke, die um die Jahreszeit sowieso niemand mehr sehen will. Aber manchmal also eigentlich ziemlich oft läuft es eben anders als gewünscht:) Außerdem fiel mir das Schreiben über den Frühling in diesem Beitrag wirklich schwer.

Irgendwie fühlt man sich wie neugeboren, wenn man endlich wieder in den strahlendblauen Himmel mit leuchtender Sonne schaut. Aber wie darüber schreiben, ohne zu klingen wie Mörike in Einfallslos oder Droste-Hülshoff auf Drogen?

“Strahlendblau” ist wohl ziemlich abgeschmackt, und “leuchtende Sonne” erst recht… “wie neugeboren” – gähn – schon tausendmal gehört… Dann ist die bildliche Sprache eigentlich auch für die Katz. “Irgendwie” hat ja wirklich gar keine Aussagekraft. Und überhaupt, wer ist eigentlich “man”?

Also, der Satz taugt gar nichts, gleich mal alles löschen. So ein weißer Bildschirm hat ja direkt was Furchteinflößendes, fällt mir da auf. Aber ein paar nette Sätze über den Frühling zu schreiben kann ja wohl nicht schwer sein, oder?

Am besten ich lasse den Himmel mal weg und fange gleich mit den Frühblühern an. Frühblüher klingt aber ein bisschen zu botanisch, das soll ja kein Biologie-Buch werden.

So kämpfte ich weiter mit der “Löschen”-Taste um ein paar brauchbare Formulierungen, bis ich irgendwann eine akute Schreibblockade bei mir diagnostizierte. Genauer gesagt, eine Frühlingsboten-Frühblüher-Frühlingsgefühle-Schreibblockade.

Dr. Google empfahl mir: “Legen Sie den Text beiseite und machen Sie einen Spaziergang an der frischen Luft”. Klingt einleuchtend, abgesehen von der Tatsache, dass ich todmüde war und nur noch in mein Bett spazieren wollte, sonst nichts. Vorzugsweise nachdem ich den Frühlingsboten-Frühblüher-Frühlingsgefühle-Text fertig geschrieben hatte.

Ich recherchiere weiter: “Erwürgen Sie Ihren inneren Kritiker”. Uups, so blutrünstig hätte ich mir das jetzt nicht vorgestellt. Gibt es da nicht noch sanftere, alternative Heilmethoden?

Als homöopathische Therapie schlägt Dr. Google vor: “Trinken Sie einen Kaffee und essen Sie Schokolade”.  Kaffee um die Zeit, nein Danke, aber Schokolade könnte wohl helfen. Von homöopathischer Dosierung steht da aber nichts, oder?

Ich kann euch verraten, dass ich schlussendlich alle drei Methoden angewendet habe, um meine akute Schreibblockade zu therapieren: Ich aß eine Tafel Schokolade, anschließend spazierte ich in mein Bett und am nächsten Morgen wieder aus diesem heraus. Leider schlug weder die Schokoladen- noch die Spaziergang-Therapie an, und mein innerer Kritiker war immer noch vehement gegen den Frühlingsboten-Frühblüher-Frühlingsgefühle-Text. Aber ich machte ihn kurzerhand mundtot und drückte auf “Veröffentlichen”.

Jetzt fällt mir auf, dass ich die ganze Zeit vom Frühling schreibe, beziehungsweise eher vom “nicht-über-den-Frühling-schreiben”. Das passt ja wirklich absolut nicht zu den Winterbildern. Es könnte vielleicht daran liegen, dass mein innerer Kritiker noch nicht wieder auf den Beinen ist. Ich probiere es mal mit ein paar Wiederbelebungsversuchen:)

Geht es euch auch so, dass ihr für manches einfach keine Worte findet? Was macht ihr, um eure Schreibblockade zu überwinden?

Liebe Grüße aus der verschneiten Pfalz,

Amely

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22 Kommentare

  1. Liebe Amely,
    ich musste bei deinem Text wieder so lachen 😉 Du hast wirklich eine herzerfrischende Art, zu schreiben, und selbst wenn du über Schreibblockaden schreibst!!! Und deine Winterbilder sind der Hammer- ich kann mich gar nicht daran satt sehen….
    Zum Thema Schreibblockade hätte ich noch folgendes einzuwerfen: ich fragte mal meine Cousine, was sie als Schriftstellerin bei einer solchen macht. Sie riet mir: “Trink ein Glas Rotwein- dann kommen die Einfälle von ganz allein!” Und nein, sie ist KEINE Pfälzerin, *lach*
    Viele liebe Grüße vom verschneiten s…kalten Bayern in die verschneite Pfalz
    Jeanne

    1. Liebe Jeanne, danke für deinen Kommentar! Der Tipp von deiner Cousine klingt aber wirklich original pälzisch – nach einem ordentlichen Schorle sieht die Welt der Pfälzer ja gleich viel besser aus:)
      Die Bilder sind übrigens in der kurzen Zeit zwischen Schneefall und Tauwetter entstanden. Das geht hier ja immer ganz schnell, leider. Da habt ihr es besser, der Schnee bleibt bestimmt länger liegen, oder?
      Ganz liebe Grüße nach Bayern,
      Amely

  2. Liebe Amely,
    bei Schreibblockaden schreibe ich trotzdem, irgendwann geht’s und ich schmeiße den Anfang einfach weg oder manchmal muss ich auch alles wieder in die Rundablage hauen.
    Schokolade hilft bei mir aber immer oder vielleicht ein Bier, aber keinesfalls beides zusammen.
    Dein Text ist aber auch mit Blockade sehr schön und flott geworden und vielleicht braucht man auch nicht immer neue Wortschöpfungen. Aber wenn so ein geschöpftes Wort trifft, dann ist es natürlich kaum mehr zu halten und alles wollen es nutzen.
    Ich bin jedenfalls gespannt, was Dir noch einfällt.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  3. Hallo Wolfgang, ich freue mich über deinen Kommentar! Du hast recht, manchmal hilft es, den Anfang wegzulassen… Zumindest wenn ein Mittelteil und Schluss existiert:)
    Schokolade hat bei mir trotz hoher Dosierung nicht gewirkt:) Bier hätte wahrscheinlich den Nebeneffekt, dass ich sofort einschlafen würde. Aber vielleicht hilft ja die Schlaftherapie auch bei Schreibblockaden?
    Bin auf jeden Fall schon mal gespannt auf deine Wortschöpfungen:)
    Liebe Grüße,
    Amely

  4. Sehr schöne Bilder. Letztes Wochenende war es bei uns auch so mit bleuem Himmel, da habe ich auch eine Serie fotografiert.
    Liebe Grüße

  5. Liebe Amely,
    schöner wie Du es gemacht hast, kann man eine Schreibblockade sicher nicht überwinden. Deine Winterbilder sind einfach sagenhaft und verzaubern einen. Dazu hat man ständig die verschiedensten Frühlings-Wortschöpfungen vor Augen und zusammen ergibt das ein genau zur Jahreszeit passendes Gesamtbild.
    Hab einen angenehmen Tag und lieben Gruß
    moni

    1. Liebe Moni, vielen Dank für deinen Kommentar! Stimmt, manchmal kann man eine Schreibblockade auch überwinden, indem man über sie schreibt:) Es funktioniert manchmal vielleicht besser als Schokolade und Co:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  6. Erst mal,ich finde deine Winterbilder wunderschön und stimmungsvoll, genau so mag ich ihn, den Winter !
    Und wenn mich einmal so eine Schreibblockade überfällt . . . ganz einfach, dann schreibe ich nicht 😉
    Irgendwann geht sie schon wieder vorüber.
    liebe Grüße

    1. Liebe Jutta, das handhabe ich meistens genauso wie du! Ich setze dann einfach aus und blogge eine Weile nicht. Jetzt habe ich mir aber vorgenommen, regelmäßig zu bloggen. Dabei fand ich es interessant, gewisse Hürden zu überwinden.
      Liebe Grüße,
      Amely

  7. Die Bilder sprechen eine eigene Sprache und dass da jemand das innere auge für das schöne geschärft hat. Man kann halt nicht beides haben, aber bei dir scheint es zu klappen, tolle Fotos zu machen und etwas sehr lebhaft zu umschreiben.
    L G Pia

    1. Liebe Pia, vielen Dank für dein Lob! Ich versuche immer, möglichst anschaulich zu schreiben (was aber nicht immer klappt), aber mit den Fotos gebe ich mir oft keine so große Mühe, was man dann auch sieht… Aber der Winterwald war so schön verzaubert, sodass es Spaß gemacht hat, Fotos zu machen:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  8. Oh, das mit der Schreibblockade kenne ich, ich tippe, lösche, tippe, lösche, tippe.
    Ich mag alle Jahreszeiten, wirklich alle. Heute nachmittag hatte ich die Möglichkeit auf 800 m Höhe im Schnee zu spazieren, klasse. Blitzblauer Himmel, trockene kalte Luft. Klasse, so mag ich das.
    winterliche Grüße
    Margot

    1. Hallo Judika, ich finde den Winter so auch ganz schön. Mit Sonne und ohne Regen lässt sich die Kälte wirklich besser ertragen!
      Liebe Grüße,
      Amely

  9. Habe deinen Blog gerade über Ghislana entdeckt ( komisch, weshalb nicht früher, den interessenmäßig gibt es durchaus Überschneidungen ). Und dein heutiger Post hat mich inhaltlich amüsiert ( vor allem wegen der vorgeschlagenen Bewältigungsstrategien ) und die Fotos etwas Neid aufkommen lassen, ob des richtig schönen Winters anderswo.
    LG
    Astrid

    1. Hallo Astrid, ich habe schon ein paar Mal bei dir reingelesen und deine vielfältige Themenwahl bewundert! Ich freue mich, wenn du meinen Beitrag gern gelesen hast:)
      Liebe Grüße,
      Amely

  10. ich mag Winter und Winterbilder auch.,.
    vor allem da wir jahrelang kaum welche hatten 😉
    alles hat seine Zeit und die Frühlingsblumen kommen noch früh genug

    herrliche Bilder hast du mitgebracht
    richtig Schnee hatten wir ja auch nur 2 oder 3 mal und nie lange
    dafür aber Frost ..
    ich bin ja auch in der Pfalz.. aber du scheinst etwas höher zu wohnen 😉
    liebe Grüße
    Rosi

    1. Ja, ich finde es auch schade, dass wir in der Pfalz so selten Schnee haben! Wenn doch, bleibt er meist nicht lange liegen. Die Bilder sind nicht direkt bei uns entstanden, sondern wenige Kilometer weiter (und höher) im Pfälzer Wald.
      Liebe Grüße,
      Amely

  11. Schreibblockaden?!?! Eher nicht. Auf jeden Fall liest es sich nicht so und die Bilder sind fantastisch! Ok, bei uns gibt es so einen Himmel ohne Kälte, aber das wird bei euch auch schon.
    Ich freue mich immer über schöne Winterbilder.
    Herzliche Grüße, Amely, und einen schönen Rest-Sonntag wünsche ich, Angelika (ZamJu)
    Ich muss jetzt weiter meine Blog-Besuchsrunde drehen – bin mal wieder echt spät dran.

    1. Liebe Angelika,
      Es freut mich, dass dir die Winterbilder gefallen!
      Die Schreibblockade hab ich irgendwie nur beim Frühling:) Deswegen bin ich gerade froh, dass der Frühling noch etwas auf sich warten lässt und ich nicht darüber schreiben muss:)
      Dir auch einen schönen Sonntagabend!
      Amely

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