Istanbul II

(Archivfotos) Mit einem frisch gepressten Granatapfelsaft über die Galata-Brücke schlendern und dabei die Angler beobachten; auf einem Basar Halva, Lokum oder andere Leckereien probieren; im Topkapi-Palast die wunderschönen Mosaiken bestaunen, dabei von Scheherazades Märchen aus Tausendundeiner Nacht träumen; sehnsüchtig einen Blick nach Asien werfen; Straßenmusikern lauschen; die ganze Palette an köstlichen Meze (Vorspeisen) bestellen (und natürlich verspeisen); sich einfach mit der Menschenmenge durch die Straßen treiben lassen; oder am Straßenrand aus kleinen Teegläsern einen Tschai trinken – was würde dir am besten gefallen?

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Istanbul bietet für jeden etwas und ist nicht umsonst das heiß ersehnte Ziel der beiden Hauptfiguren Daniel (Moritz Bleibtreu) und Juli (Christiane Paul) im Film „Im Juli“ von Fatih Akin, das sie per Auto, Anhalter, Boot und Lastwagen entgegen aller Hindernisse erreichen wollen.

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Vor ein paar Jahren hatte ich die fixe Idee, diesen Film als Balkan-Road-Musical zu inszenieren. Ich wollte auf dem Landweg nach Istanbul reisen und dabei landestypische Lieder und Musikstücke aufnehmen, um sie später für das Musical zu arrangieren. Zwar haben wir uns dann doch für ein anderes Musical entschieden, aber meinen verrückten Plan habe ich zumindest zur Hälfte umgesetzt, indem ich mit dem Rad in Richtung Schwarzes Meer gefahren bin (habe es aber nur bis Budapest, nicht bis Istanbul geschafft).

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Nach Istanbul bin ich aber schließlich doch noch gekommen, und zwar einmal quasi beruflich im Rahmen eines europäischen Austauschprogramms. Dort lernte ich gleich die unglaubliche Gastfreundschaft der Türken kennen:

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Ich wollte gern ein Teeservice kaufen, damit ich auch zuhause den Tschai aus kleinen bunten Tassen genießen kann. Unsere Gastgeber fragten mich am Abend vor unserem Abflug (sonntags), ob ich denn ein passendes Service gefunden hätte. Das hatte ich aber nicht, was unsere Gastgeber sehr viel schlimmer fanden als ich selbst.

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Am nächsten Morgen kurz vor acht, wir waren gerade beim Check-In, kam ein türkischer Schüler angerannt und überreichte mir eine Geschenkschachtel mit einem wunderschönen Teeservice! Auf meine Frage, wie sie das den über Nacht noch organisiert hätten, antwortete er nach Luft japsend: Der Cousin hat einen Freund, dessen Onkel wiederum jemand kennt, der verwandt ist mit einem Inhaber eines Küchengeschäfts….

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Dass ich mich riesig darüber gefreut habe und das Service bei mir einen Ehrenplatz bekommen hat, muss ich wohl nicht dazu sagen:)

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Da es mir dieser Aufenthalt so gut gefallen hat, sind wir kurze Zeit später (2012) nochmal privat nach Istanbul geflogen. Dort sind auch die Fotos entstanden. Wenn ich sie anschaue, wünsche ich mir diese Offenheit und Freiheit zurück, die damals noch herrschte. Die jüngsten Ereignisse zeigen, wie schnell Demokratie, Toleranz und Freiheit bedroht und abgeschafft werden können. Kämpfen wir für sie, immer wieder aufs Neue!

Verlinkt: Freutag

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4 Comments

  1. Tolle Eindrücke und eine zauberhafte Geschichte!
    Wir waren (ich meine auch 2012) auch in der Türkei, allerdings im Dalyan-Delta. Doch auch dort waren wir von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit sehr angetan!
    Aber du hast vollkommen recht, leider haben sich die Umstände geändert und so werden wir wohl nicht so schnell wieder dorthin verreisen…
    Liebe Grüße
    Stephie

    1. Liebe Stephie, danke für deinen netten Kommentar. Ja, es ist wirklich schade, dass sich die politischen Verhältnisse so sehr verschlechtert haben, dass man gar nicht mehr in die Türkei reisen kann! Ich hoffe immer noch auf ein Wunder, wie wahrscheinlich viele Türken auch…
      LG Amely

  2. Ja, genau! Wir hoffen immer noch auf ein Wunder:) Ich bin hier geboren und lebe ich noch hier. Übrigens die Fotos sind sehr schön:) Liebe Grüsse aus Bursa.

    1. Hallo Semi,
      Freut mich sehr, dass du auf meinen Artikel gestoßen bist! Obwohl es aussichtslos scheint, drücke ich ganz fest die Daumen für ein Wunder:) Wie ist das Leben in der Türkei mittlerweile? Wie machen sich die politischen Veränderungen im Alltag bemerkbar? Das würde mich interessieren, falls du Lust hast, zu schreiben.
      Ganz liebe Grüße an dich,
      Amely

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