Tatort „Unterm Nähfuß“ – Tulpenshirt

Vor einem halben Jahr habe ich auf dem Stoffmarkt in Karlsruhe verschiedene unifarbene Jerseystoffe gekauft, um erste Erfahrungen mit diesem bis dato mit völlig unbekannten Material zu sammeln. Lange bin ich um diese Stoffe herumgeschlichen wie die Katze um den heißen Brei und traute mich nicht recht, mit dem Nähen loszulegen. Also habe ich zu dem Thema ein bisschen recherchiert, und beispielsweise herausgefunden, dass Jersey nach dem Waschen und Bügeln erst einmal eine Viertelstunde ruhen soll, bevor er zugeschnitten wird. Ja, ist das ein Hefeteig, oder wie? Schnell wurde mir klar, dass wir beide so keine Freunde werden würden. Ich warf alle gelesenen Ratschläge über Bord und begann ohne weitere Vorkehrungen mit dem Schneiden und Nähen.

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Meine alte Lady Stretch 295-1 nähte den günstigen Jersey vom Stoffmarkt ohne die geringsten Probleme, und so konnte ich leicht ein paar Shirts für mich anfertigen. Obwohl die Passform alles andere als ideal war, packte mich das Jersey-Näh-Fieber und ließ mich nicht mehr los. Jetzt hatte ich Lust, das Ganze an einem hochwertigen Stoff auszuprobieren. Ich schnitt ein schönes Schwalbenstöffchen von Swafing an – doch das passte meiner Lady Stretch leider nicht. Egal welche der fünf verfügbaren Sticharten ich ausprobierte, die alte Dame weigerte sich, regelmäßige Stiche zu fabrizieren und ließ alle paar Zentimeter zehn Stiche aus. Ich habe echt alles probiert – die Fadenspannung geändert, verschiedene Garne probiert, extra Jersey-Nadeln in verschiedener Stärke genommen – es hat nichts gebracht. Also fügte ich mich in mein Schicksal und löste das Problem, indem ich sehr langsam und immer wieder vor- und rückwärts nähte. Von innen sah das Shirt mit dieser Methode aus wie ein Schauplatz nach dem Tatort-Dreh mit Till Schweiger. Ich überlegte, ob ich eine neue Nähmaschine anschaffen oder ganz auf das Jersey-Nähen verzichten sollte.

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Aber ganz unverhofft konnte ich diesen kniffligen Fall doch noch lösen, und zwar mit einer Stretch-Nadel! Offensichtlich gibt es zwischen Jersey- und Stretch-Nadeln doch kleine Unterschiede, und genau darauf legt meine Lady wert. Mit dieser Nadel näht sie Jersey und sogar mehrere Lagen Sweat einwandfrei, und deswegen habe ich alle Neuanschaffungspläne ganz schnell über Bord geworfen.

Der Schnitt von Lillesol und Pelle ist gut, aber für mich etwas zu kurz und zu weit. Trotz vieler Veränderungen ist die Passform noch nicht ganz optimal. Ich vermute, dass ich die Ärmel falsch herum eingesetzt habe, und deswegen die Falten entstehen. Trotzdem freue ich mich sehr an meinem neuen Kleidungsstück, das schon ein paar Mal zum Einsatz gekommen ist!

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Schnittmuster: Longsleeve von Lillesol und Pelle

Stoff: Tresblüten in Koralle von Alles für Selbermacher, derzeit nur noch in anderen Farben verfügbar, zum Beispiel in Himbeere

Verlinkt: After Work Sewing, MeMadeMittwoch, Ich näh Bio

 

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7 Kommentare

  1. Ja, das habe ich auch schon mehrfach erlebt, dass man nur eine andere Nadel oder anderes Garn nehmen muss und schon klappt das Nähen. Mir gefällt Dein T-Shirt sehr. Stoff und Farbe sind super und ich finde, Dein Shirt sitzt gut – aber das kannst Du am besten beurteilen.
    LG Epilele

    1. Hallo Epilele, danke für deinen netten Kommentar. Ich hätte auch nie gedacht, dass die Wahl der richtigen Nadel so entscheidend ist. Aber jetzt bin ich froh, dass ich die Lösung gefunden hab! LG Amely

  2. Ich finde es klasse! Toll, dass du dich an dieses Experiment gewagt hast und es mit einem kompromissbereiten Erfolg geendet hat! Und die Farben des Shirts stehen dir wirklich gut! Applaus für dein erstes Shirt und mögen viele weitere folgen ??

    1. Hallo Stephie, freut mich, dass das Shirt dir gefällt. Ich denke schon, dass weitere folgen werden, da ja mein Kleiderschrank auch ziemliche Lücken aufweist, die ich jetzt füllen kann…
      LG Amely

  3. Schön ist dein Shirt.
    Ich glaub nicht, dass die Falten daher kommen, dass du den Ärmel falsch eingesetzt hast, sondern eher daher, dass das Schnittmuster dann an der Stelle so nicht genau richtig für dich ist.
    Schau dir nur mal viele Fotos genauer an; es gibt einige Schnittherstellerinnen, die posten ihre eigenen Schnitte an sich mit genau den Falten (was ich nicht verstehe, denn wenn man einen Schnitt selbst konstruiert, den man auch verkaufen will, dann sollte er einem selbst schon perfekt passen).
    Ganz umgehen kann ich sie oft nicht, aber ich versuche solche zu nähen, wo sie zumindest minimiert sind (und irgendwann probiere ich es doch eimal mit “konstruiere selbst”).
    Lg Iris

    1. Hallo Iris,
      Mir ist erst im Nachhinein aufgefallen, dass die Ärmel nicht symmetrisch sind, und beim Einsetzen habe ich gar nicht darüber nachgedacht, was vorne und hinten hinkommt. Von daher vermute ich schon, dass das die Ursache ist. Beim nächsten Mal werde ich natürlich darauf achten und bei Bedarf auch mal das Konstruiere-selbst-Prinzip anwenden…
      Liebe Grüße, Amely

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